Bericht des Vorsitzenden zum ersten Halbjahr 2026

17.07.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

wieder einmal haben uns im ersten Halbjahr 2026 neben unseren Dauerthemen auch viele neue Themen auf Trab gehalten. Dazu sind wir gemäß unserer Satzung im ständigen Austausch mit Stakeholdern der Wissenschaftsorganisationen, politischen Repräsentanten, Vertretern der Wissenschaftsverwaltungen, Verbänden und Fachgesellschaften im In- und Ausland. Dieser Austausch erfolgt überwiegend telefonisch, virtuell oder klassisch schriftlich und in Präsenz.

Die hochschulpolitische Arbeit konzentrierte sich im ersten Halbjahr auf die Felder:

  • Neue Personalstrukturen für das dt. Wissenschaftssystem gemäß dem WR-Pospa
  • Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZVG)
  • Novelle des Arbeitszeitgesetzes
  • Geopolitische Lage: Auswirkungen für den Wissenschaftsstandort Deutschland
  • (ausländischer) MINT-Nachwuchs als ein Baustein der Fachkräftegewinnung
  • Folgen der Einsparungen bei den Ländern für die universitäre Ingenieur/-Informatikerausbildung
  • MINT-Initiativen
  • Novellen der Landeshochschulgesetze
  • Akkreditierung
  • Zukunftsfähigkeit des 4ING-Verbundes

Der folgende kurze Abriss der Aktivitäten soll einen Einblick in die Themen und in unsere Arbeit geben:

Geopolitische Weltlage und Situation in Deutschland

Die geopolitischen Erschütterungen nehmen leider immer noch zu und somit ist eine sehr bedrohliche und instabile Lage für Europa bzw. Deutschland entstanden. Zu den bereits bekannten Gefahrenher-den sind die Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon, der Angriff der USA auf den Iran mit der Sperrung der Straße von Hormus und in Folge Irans Angriffe auf Nachbarstaaten im Nahen Osten dazugekommen.

Neben diesen äußeren Bedrohungen hat auch der Politikwechsel der USA, z.B., direkte Auswirkung auf Wissenschaft und Forschung. Daher stellt die Bundesregierung z.B. rund 30 Millionen Euro für die Sicherung wichtiger Forschungsdatenbestände zur Verfügung. Die Fördermittel sollen über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bereitgestellt werden und sind für „kurzfristige Maßnahmen zur Unterstützung bereits bestehender und aufgrund des Gefährdungspotentials unmittelbar zu veranlassender Datenrettungsmaßnahmen“ gedacht. Auch wenn es sich hier um medizinische Daten handelt, so zeigt die Situation wie sehr mittlerweile der weltweite Austausch inzwischen gefährdet ist.

Auch die Wissenschaftsministerkonferenz hat am 29.06.26 ein Positionspapier zur Stärkung der Sicherheitsforschung in Deutschland beschlossen. Wissenschaft soll stärker zu Freiheit, Sicherheit und technologischer Souveränität beitragen.

Vor dem Hintergrund der äußeren und inneren Bedrohung der Wissenschaft hat der Wissenschaftsrat (WR) sich mit den Perspektiven der Wissenschaft in Deutschland bis 2040 befasst[1].  In einer Agenda[2] mit zehn Handlungsfeldern für Bund, Länder, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fordert der WR eine grundlegende Neuausrichtung der deutschen Wissenschaftspolitik.

Seine Analyse basiert auf vier Zukunftsszenarien. In diesen sieht er geopolitische Umbrüche, technologische Sprünge und gesellschaftliche Veränderungen als zentrale Risiken an. Um resilient zu bleiben, fordert der WR langfristige Strategien und ausreichende Ressourcen. So sollen zehn Prozent der Gesamtausgaben für militärische und zivile Sicherheit in Forschung und Innovation fließen.

Auch die EUA hat sich in einer Studie mit dieser Bedrohungssituation in verschiedenen Szenarien beschäftigt. Die Studie trägt den Titel „Universities and competitiveness, A big picture view on the EU’s new policy paradigm and the implications.for universities“

In dieser Situation sehen wir es als geboten an, diese Szenarien mit ihren Folgen für die 4ING-Fachrichtungen auch in den jeweiligen Fakultätentagen zu diskutieren und regen die Entwicklung von Handlungsoptionen an.

MINT-Nachwuchs

Dieses breite Themenfeld bearbeiten wir vor allem im Verbund mit anderen Stakeholdern wie z.B. dem Nationalen MINT Forum (NMF), dort interagieren wir mit anderen Mitgliedern, die im vorschulischen bzw. schulischen Bereich tätig sind, die wir schon kapazitiv nicht abdecken können.

Über die Geschäftsstelle des NMF ist es gelungen, einen guten Arbeitskontakt zum MINT-Ausschuss der Bildungsministerkonferenz der KMK aufzubauen. Wir konnten schon mehrfach Arbeitspapiere des MINT-Ausschusses über das NMF kommentieren. Wir hoffen für die Zukunft, dass diese Zusammenarbeit solche Früchte trägt, dass wir dann nicht mehr über die Unzulänglichkeiten im Vor- schul- und Schulsystem in Deutschland berichten müssen.

Aktuell besteht ein Gender-Gap in Mathematik bereits ab Klasse 1, s.u: https://www.mint-vernetzt.de/news/gender-gap-in-mathe/?_thumbnail_id=15706

Die gesamte französiche Studie finden sie in Nature.

Auch der am 05.0526 veröffentlichte MINT-Frühjahrs Report, den das IW für unsere Partner Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Arbeitgeberverband Gesamtmetall und MINT Zukunft schaffen erstellt,  empfiehlt insbesondere:

In der frühkindlichen Bildung und in der Schule, einschließlich dem Ganztag, müssen Basiskompetenzen, insbesondere Sprachkompetenz als Fundament gewährleistet und ausgebaut werden. Die Wirkung bildungspolitischer Maßnahmen kann nur auf der Basis verlässlicher Daten und verbindlicher Ziele gemessen werden. Bei der Mittelvergabe sollte der Sozialindex berücksichtigt werden, um Chancengerechtigkeit zu stärken.

Die Digitalisierung an Schulen muss ausgebaut werden. Schulen benötigen eine praxisnahe und entlastende IT-Unterstützung, zeitgemäße Ausstattung und verlässliche Kooperationen mit außerschulischen MINT-Angeboten. KI als maßgebliche Zukunftskompetenz muss fächerübergreifend in den Unterricht integriert werden.

Die mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Schwerpunkte an den Schulen müssen besonders gefördert werden. Unterrichtskonzepte sollten weiterentwickelt werden, um das Interesse und die Motivation an MINT-Inhalten zu stärken. Digitalisierung und KI-Unterstützung können hier einen wertvollen Beitrag leisten.

Um eine zeitgemäße und praxisnahe MINT-Bildung zu gewährleisten, müssen mehr Lehrkräfte gewonnen und gehalten werden. Aus- und Fortbildung von Lehrkräften müssen den Anwendungsbezug in den Mittelpunkt rücken und Digitalisierung und KI als verpflichtende Bestandteile zeitgemäßer Bildung berücksichtigen. Zusätzlich sollten multiprofessionelle Teams ausgebaut werden, um Lehrkräfte – etwa bei der Umsetzung digitaler Konzepte – gezielt zu unterstützen.

Anlässlich des Nationalen MINT-Gipfels am  09.06.26 haben wir mit anderen Mitgliedern des NMF das Positionspapier „MINT und Gründungskultur: Bildung für eine gestaltende Gesellschaft“ verfasst.

Auch das Partnerfest des Stifterverbands am 24.06.26, zu dem 4ING eingeladen war, hat sich thematisch damit befasst, wie es gelingt mehr junge Menschen für MINT zu begeistern. Das Programm finden sie hier.

MINT-Fachkräftemangel

Das Thema MINT-Fachkräftemangel treibt uns seit längerem um. Daher haben wir uns in der AG Hochschulen des NMF dafür stark gemacht dazu ein Positionspapier zu verfassen. Am 10.03.26 wurde es mit dem Titel „MINT- Fachkräftesicherung über Hochschulen“ und einigen Statements verschiedener Stakeholder veröffentlicht, s.u.: https://www.nationalesmintforum.de/newsroom/detail/mint-fachkraeftesicherung-ueber-die-hochschulen

Der Stifterverband ist bei diesem Thema sehr aktiv und hat am 18.06.26 die Konferenz FutureMINT in Berlin als Teil des Future.MINT-Programms des Stifterverbands veranstaltet, die auch von einem 4ING-Vertreter besucht wurde. Es wurden die beim Thinkathon ausgewählten Konzepte vor Hochschulleitungen, Studiengangsverantwortlichen und Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen präsentiert. Ziel war es, konkrete Umsetzungspartnerschaften zwischen Studierenden und Hochschulen anzustoßen. Der Stifterverband unterstützt die anschließende Implementierung der Projekte, um eine nachhaltige Wirkung über den Pitch hinaus sicherzustellen.

Für alle, die sich damit näherbefassen wollen, haben wir nachfolgende Links zusammengestellt:

Die beim Pitch gezeigten sechs Präsentationen der Studierenden finden sich auf der Webseite:
FutureMINT | Stifterverband, s.u.: https://www.stifterverband.org/future-mint-programm.

Neue Personalstrukturen im Wissenschaftssystem

Der WR und der Stifterverband haben am 19./20.01.26 einen Workshop mit eingeladenen Gästen veranstaltet, der zum einen die Möglichkeit des Austauschs zwischen Hochschulstandorten bzw. außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die bereits ein Dauerstellenkonzept neben der Professur umgesetzt haben und solchen, die dies planen, bot. Leider war es trotz mehrfacher Interventionen beim WR nicht möglich an der Veranstaltung teilzunehmen.

Das Programm finden sie hier:

Die Website mit einer recht umfänglichen Dokumentation ist inzwischen online zu finden unter: Personalstrukturen neu gestalten<https://wandel-personalstruktur-wissenschaft.de/>.

Hinweis: Bis 14. August läuft noch die Ausschreibung für interessierte Hochschulen, die ihrer Personalstruktur mit Unterstützung des Stifterverbands aktualisieren wollen:
https://www.stifterverband.org/pressemitteilungen/2026_06_03_personalstrukturen_zukunftsfaehiges_wissenschaftssystem

Forschung & Lehre hat im Nachgang der Veranstaltung am 30.01.26 eine Bestandsaufnahme veröffentlicht, in welchen Bundesländern es bereits gesetzliche Grundlagen für solche Dauerstellen/neuen Personalkategorien gibt, s.u.: https://www.forschung-und-lehre.de/karriere/neue-personalkategorien-eine-bestandsaufnahme-7510

Noch sind diese Bundesländer in der Minderzahl. Interessant ist, dass in NRW die Universität Düsseldorf neue Personalkategorien, wie sie die HRK und JA in ihren Leitlinien 2025 empfohlen hat, bereits ohne konkrete hochschulgesetzliche Grundlage eingeführt hat.

Am 19.03.26 haben sich der 4ING-Vorsitzende und die 4ING-Geschäftsführerin mit dem DHV-Präsidenten, der DHV-Geschäftsführerin und ihrer Stellvertreterin zu der Thematik ausgetauscht.

Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes

Am 28.05.26 hat das BMFTR die Verbändeanhörung zu einem Referentenentwurf eröffnet, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit den anderen Ressorts abgestimmt war. Die Anhörung lief vom 28.05.26 bis 16.06.26.

Zur Vorbereitung der 4ING-Stellungnahme hat sich 4ING mit dem DHV-Präsidium anlässlich der Aussprache der im AFT vertretenen Fakultätentage am 29.05.26 ausgetauscht. Weiterhin hat sich Frau Schmitt gesondert mit dem AFT-Präsidenten, dem zuständigen Referenten bei der DPG, dem FTI-Vorsitzenden und mit den AFT-Fakultätentagen zur Novelle ausgetauscht.

4ING war bereits 2023 bei der Verbändeanhörung zum Referentenentwurf des WissZVG seitens des BMBF beteiligt.

Der jetzige Referentenentwurf zeichnet sich durch das aus, was er nicht beinhaltet. Im Gegensatz zum Entwurf von 2023 wird die Tarifsperre nicht aufgeweicht und die Postdoc-Phase hat eine Dauer von 6 Jahre, das Modell 4+2+ Anschlusszusage ist ersatzlos entfallen.

Sowohl der Referentenentwurf von 2023 als von 2026 beinhalten den zeitlichen Vorrang der Qualifizierungsbefristung gegenüber der Drittmittelbefristung. D.H., grundsätzlich müssen alle Promovenden und Postdocs unabhängig von der Finanzierung eine Qualifizierungsbefristung durchlaufen.

Nach dem Entwurf 2026 kann eine Drittmittelbefristung erst nach Ausschöpfen der jeweiligen Höchstbefristungsdauer, die sowohl in der Prädoc- als auch in der Postdoc-Phase je 6 Jahre beträgt, erfolgen. Damit will man die Verlängerungsmöglichkeiten wegen Elternzeit, Pflege und Behinderung/ chronischer Erkrankung allen ermöglichen. Probleme sehen wir bei der Finanzierung, die bekanntlich Sache der Länder ist. Auch nicht alle Drittmittelgeber sehen die Finanzierung der vorgenannten Verlängerungsgründe vor, das gilt auch für die öffentlichen Geldgeber.

Zudem wurde die Mindestlaufzeit des ersten Arbeitsvertrags in der Prädoc-Phase mit 3 Jahre und bei Postdocs mit 2 Jahre geregelt. Dadurch ist die Finanzierung der Prädoc-Phase über Drittelmittel gerade von Unternehmen schwierig bis unmöglich, da diese Verträge in der Regel von einigen Monaten bis zu 2 Jahren dauern. Das Problem besteht auch bei Landeförderprogrammen wie in Hessen das LOEWE-Programm, das auch nur maximal 2 Jahre fördert.

Sowohl im Referentenentwurf von 2023 als auch von 2026 wird die Höchstbefristungsdauer bei Hiwis von 6 auf 8 Jahre hoch gesetzt. Zudem erfolgt im jetzigen Entwurf die Klarstellung, dass die Befristungsdauer aus der HiWi-Zeit keine Anrechnung bei einem späteren befristeten Arbeitsvertrag nach dem Teilzeit- u. Befristungsgesetz an der Uni findet.

Allerdings soll der Zeitenübertrag aus der Promotions- in die Postdoc-Phase, wenn die Promotion vor Ablauf der Höchstbefristungsphase abgeschlossen wurde, zukünftig entfallen.

Mit der Reform des WissZVG wird vielfach die Einführung von Dauerstellen neben der Professur verbunden. Stellen kann der Bund selbst nicht schaffen, das ist auf Grund des Föderalismus nur den Ländern möglich, deren Kassen aktuell eher wenig gefüllt sind. In der Diskussion wird die Frage nach der Anzahl der abgeschlossenen Promotionen in den jeweiligen Fächern nicht angesprochen, ev. qualifizieren wir zu viele Personen. In den 4ING-Fachrichtungen wirkt sich das wegen des vorhandenen außerakademischen Arbeitsmarkts nicht aus.  Im CHE-DatenCheck 2-26 finden sie die Anzahl der Promotionen in Deutschland 2022-2024 in den verschiedenen Fächern an Universitäten, basierend auf den Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Wer sich noch vertiefter damit beschäftigen will, für den haben wir die nachfolgenden Links zusammengetragen:

Auf der Seite des BMFTR finden sich alle Novellen, s.u.: https://www.bmftr.bund.de/DE/Ministerium/Gesetze/Gesetze-Einzeln/befristete_Arbeitsvertraege_Wissenschaft_WissZeit_VG.html

Den jetzigen Referentenentwurf von 2026 finden sie unter: https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/gesetze/befr_Arbeitsvertraege_Wissenschaft_WissZeit_VG/referentenentwurf/RefEntwurf_WissZeitVG_2026.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Zum besseren Verständnis ist die Synopse wichtig, s.u.:  https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/gesetze/befr_Arbeitsvertraege_Wissenschaft_WissZeit_VG/synopyse_2026.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Stellungnahmen 2026: https://www.bmftr.bund.de/DE/Ministerium/Gesetze/Gesetze-Einzeln/befristete_Arbeitsvertraege_Wissenschaft_WissZeit_VG.html

Zum Vergleich und Verständnis der Entwicklung verweise ich auf den Referentenentwurf 2023, s.u.: https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/gesetze/befr_Arbeitsvertraege_Wissenschaft_WissZeit_VG/referentenentwurf/RefEntwurf_WissZeitVG_2023.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Die Stellungnahmen zu dem RE 2023 finden Sie alle in der Rubrik Stellungnahmen 2023 unter: www.bmftr.bund.de/DE/Ministerium/Gesetze/Gesetze-Einzeln/befristete_Arbeitsvertraege_Wissenschaft_WissZeit_VG.html

Referentenentwurf zur Arbeitszeitflexibilisierung und Arbeitszeiterfassung des BMAS

Am 18.06.26 wurde ein Referentenentwurf (RE) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zur Arbeitszeitflexibilisierung und Arbeitszeiterfassung bekannt, s.u.: https://table.media/assets/berlin/arbeitszeit_bmas.pdf

In der Presse war zu lesen, dass es sich nicht um einen offiziellen Entwurf des Ministeriums handeln soll. Inhaltlich gibt es auch hier Parallelen zu einem RE des BMAS aus dem Jahr 2023.

Die Arbeitszeiterfassung soll ohne Ausnahme für alle Unternehmen/Branchen gelten und elektronisch durchgeführt werden. Mit dieser angedachten Regelung widerspricht der Entwurf dem Koalitionsvertrag, der hinsichtlich der Art der Zeiterfassung keine Festlegung getroffen hatte. Der Koalitionsvertrag will auch die Vertrauensarbeitszeit erhalten, die mit dem RE kaum mehr umsetzbar ist.  Der RE wäre somit für die Universitäten insbesondere in der Prä- und Postdocphase völlig ungeeignet, da Kreativität nicht auf Knopfdruck entsteht.

Novelle der Landeshochschulgesetze z.B. in

NRW

Wie Sie bereits aus dem früheren Halbjahresbericht wissen, will NRW sein Hochschulgesetz novellieren. 4ING hat im Dezember 2024 eine Stellungnahme zum Referentenentwurf abgeben. Der Entwurf ist mit ca. 250 Seiten bzgl. des Hochschulgesetzes nicht nur äußerst komplex, sondern umfasst einen überaus hohen Detailierungsgrad. An etlichen Stellen weist er auch Inkonsistenzen auf. Darüber hinaus unterliegt der Entwurf verschiedentlich (verfassungs-)rechtlichen Bedenken, wie z.B. bei der Trennung von Betreuung und Begutachtung bei Promotionsvorhaben.

Im Kapitel 10 mit Regelungen zur Redlichkeit und Sicherheit in der Hochschule beschreitet das Bundesland NRW völliges Neuland. Den Aufbau von doppelten Strukturen und Zuständigkeiten, z.B. im Hochschulrecht und im Strafrecht, lehnen wir entschieden ab. Gerade bei der Begehung von Straftaten sollte der Vorrang des Strafanspruchs des Bundes gewahrt bleiben und die Ahndung nicht auf das Hochschulrecht einzelner Länder verlagert werden.

Am 18.12.25 ist der seit Ostern 2025 erwartete Gesetzesentwurf zur ersten Lesung in den Landtag eingebracht worden. Inhaltlich hat er sich aus unserer Sicht nicht wirklich verbessert, sondern das Gesetz wurde noch erheblich erweitert, mittlerweile umfasst es über alle Regelungsgebiete 514 Seiten vorher waren es bereits 337 Seiten. Inhaltlich wurden unsere Bedenken nicht oder nicht vollständig aufgenommen. Allerdings beinhaltet der Gesetzesentwurf noch nicht die Anregung des Wissenschaftsrates nach Dauerstellen neben/unterhalb der Professur. Den Gesetzesentwurf finden Sie unter: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-16798.pdf

Am 16.03.36 fand eine ganztägige hybride Anhörung zur Novelle des Landeshochschulgesetzes NRW im Wissenschaftsausschuss des Landtags statt. Die schriftlichen Stellungnahmen finden sich unter: https://www.landtag.nrw.de/home/dokumente/dokumentensuche/parlamentsdokumente/aktuelle-dokumente.html?formId=searchByItem&dokTyp=ST&wp=18&dokNum=Drs+18%2F16798&_eventId_sendform=

Am 03.06.26 fand eine weitere Beratung zur Novelle des Landeshochschulgesetzes NRW statt, zu der die Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen einen Änderungsantrag vorgelegt haben.

Da das Protokoll der Sitzung des Wissenschaftsausschusses noch nicht vorliegt, ist aktuell unklar, mit welchem Inhalt der Gesetzesentwurf dem Landtag am 15.07.26 zum Beschluss vorgelegt wird.

Anmerkung:

Laut dem WDR wurde das Gesetz am 15.07.26 beschlossen, s. u.: https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/hochschulstaerkungsgesetz-100.html. Der Gesetzestext ist noch nicht veröffentlicht worden.

NDS

März/April befand sich ein Referentenentwurf zum Landeshochschulgesetz Niedersachsen in der Verbändeanhörung, der mit Bezug auf den Wissenschaftsrat die Möglichkeit von Dauerstellen einräumt. In der Ausgestaltung lehnt sich der Entwurf jedoch an die Personalkategorien der HRK- und JA-Leitlinien mit Wissenschaftsmanager:innen, Lektor:innen und Researcher;innen an. Ebenso soll das Promotionsrechts für HAWen eingeführt werden. Weitere Änderungsbereiche finden sie unter: https://www.stk.niedersachsen.de/startseite/presseinformationen/mehr-freiheit-weniger-burokratie-niedersachsen-starkt-seine-hochschulen-landesregierung-bringt-novelle-des-niedersachsischen-hochschulgesetzes-auf-den-weg-249118.html

Am 24.06.26 fand im Landtag die erste Beratung über den Gesetzentwurf zur Hochschulgesetznovelle (Drs. 19/10921) statt.  In diesem werden auszugsweise die Ergebnisse der Anhörung aufgeführt.

MVP

Am 03.06.26 hat der Landtag Mecklenburg-Vorpommern ein neues Hochschulgesetz beschlossen. Der Text ist noch nicht veröffentlicht. Laut der Pressemitteilung des Wissenschaftsministeriums erhalten nun ausgewählte, forschungsstarke Fächer an einer HAW das Promotionsrecht. Die studentische Mitwirkung wird ausgebaut, z.B. über ein studentisches Prorektorat. Wegen der weiteren Einzelheiten verweisen wir auf die vorgenannte Pressemitteilung.

BAY

Laut der Pressemitteilung anlässlich der Kabinettssitzung der Bayerischen Landesregierung am 23.06.26 wurde eine Novelle des Hochschulgesetzes beschlossen. Danach passt der Freistaat das Bayerische Hochschulinnovationsgesetz (BayHIG) an aktuelle Herausforderungen an und zwar vom Bürokratieabbau über ein Verbot des Verbots der KI bis zur Antisemitismusprävention. Wegen der Einzelheiten wird auf die vorgenannte Pressemitteilung verwiesen.

EUA-CDE

Wir haben mit dem Kollegen Hesselbarth einen engagierten Kollegen, der 4ING im EUA- Council of Doctoral Education (CDE) vertritt. Auch in diesem Gremium ist Deutschland mit nur wenigen Personen vertreten und unsere Fachrichtungen nur über 4ING. Hier gilt es immer noch wachsam zu sein, dass nicht über die Hintertür die in Deutschland bewährte und wichtige Assistenzpromotion durch europäische Sonderformen beschädigt wird. Die EUA und somit auch das EUA-CDE wird von der EU-Kommission gerne zu Rate gezogen.

Herr Kollege Hesselbarth arbeitete aktiv in der Thematic Peer Group (TPG) “Doctoral schools: building bridges beyond academia” mit, die in diesem Frühjahr ihren Abschlussbericht veröffentlicht hat, siehe unter: https://eua-cde.org/downloads/publications/cde_tpg%20report_doctoral%20collaboration%20with%20society_online.pdf

Auf S. 53 konnte Herr Kollege Hesselbarth ein Best Practice-Beispiel aus der ET in Deutschland unterbringen.

SEFI

Die SEFI ist das größte europäische Netzwerk, das sich mit der Ingenieurausbildung befasst. Noch immer sind wir mit zwei Personen im Board of Directors aktiv. Dies ist vor dem Hintergrund, dass neben 4ING nur noch 3 deutsche Universitäten Mitglied bei SEFI sind, eine sehr respektable Leistung.

Die diesjährige Jahrestagung mit Mitgliederversammlung findet Prag/Tschechien vom 07.-10. September statt. Detaillierte Infos finden Sie s.u.: https://www.sefi2026.eu/

Infos

Open Research Europe, siehe table media/Resaerch vom 31.03.26,

Deutschland beteiligt sich an Open Research Europe: Die Plattform wird für alle Forschenden geöffnet und soll kostenfreie Publikationen sowie transparente Begutachtung europaweit stärken.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, unter der Leitung von Katja Becker, soll die nationale Umsetzung der europäischen Open-Access-Plattform ORE künftig steuern.

Erasmus+

Ab 2027 steigt UK auch wieder bei Erasmus + ein, nachdem auch die Rückkehr zum Forschungsprogramm Horizon Europe erfolgt ist.

Ifo-Chancenmonitor

Ob Kinder ein Gymnasium besuchen, hängt maßgeblich vom familiären Hintergrund ab. Diesen Zusammenhang belegt der am Dienstag veröffentlichte Chancenmonitor einmal mehr. Die Ungleichheit der Bildungschancen habe sich über den Verlauf von drei Jahren weiter verfestigt, sagte der Leiter des ifo-Instituts Ludger Wößmann zur Vorstellung der Ergebnisse. Das berichtet Table. Media, s.u.: https://briefing.table.media/r/zSKJgVw1251583ms16899.html

acatech Technikradar 2026

Über 80 Prozent der Deutschen fühlen sich durch Cyberangriffe und KI-Betrug bedroht – stärker als durch Terror, Kriege, Gewaltkriminalität oder Naturkatastrophen. Das zeigt das TechnikRadar 2026, eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag von acatech – Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Die Deutschen erwarten angesichts dieser Bedrohungen Schutz vom Staat: Doch nur 15 Prozent würden dafür mehr Steuern zahlen, und nur 34 Prozent haben nach eigenen Angaben für Notfälle vorgesorgt, so die Pressemitteilung vom 26.06.26.

Wer sich detaillierter informieren will, siehe bei den nachfolgenden Links nach:

Schwerpunkt Sicherheit und Technik, s.u.: https://www.acatech.de/publikation/technikradar-2026/

Übersichtsseite, s.u.: https://www.acatech.de/technikradar-2026-schwerpunkt-sicherheit-und-technik/

Detaillierte Ergebnisse, s.u: https://www.acatech.de/technikradar-2026-detaillierte-ergebnisse/

Ergebnis-Booklet, s.u.: https://www.acatech.de/wp-content/uploads/2026/06/acatech_TechnikRadar2026_web_2.pdf

Zweitveröffentlichungspflicht ist laut Bundesverfassungsgericht unzulässig.

Laut ResearchTable darf Open Access seitens der Länder und ihrer Hochschulen nicht erzwungen werden. Das Verfassungsgericht macht aber auch deutlich, dass diese Entscheidung nicht inhaltlich, sondern formal begründet wird.

  1. Juni 2026

Wissenschaftsministerkonferenz fordert mehr Freiheit für Forschung und Innovation

Länder stellen Weichen für ein wirksames Innovationsfreiheitsgesetz:

Die Wissenschaftsministerinnen und Wissenschaftsminister der Länder haben auf ihrer 6. Wissenschaftsministerkonferenz in Lindau am Bodensee ein Eckpunktepapier zum geplanten Innovationsfreiheitsgesetz des Bundes beschlossen. Die Länder unterstützen das Ziel, Forschung, Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen von unnötiger Bürokratie zu entlasten. Entscheidend ist aus Sicht der Länder: Das Gesetz muss in der Praxis spürbar wirken – mit schnelleren Verfahren, mehr Rechtssicherheit, mehr Transfer und mehr Vertrauen in die Wissenschaft.

Akkreditierungsrat (AR)

Der AR hat neue Mitglieder und Stellvertretende, die Liste finden sie unter: https://www.akkreditierungsrat.de/de/stiftung-akkreditierungsrat/akkreditierungsrat/akkreditierungsrat

Zudem hat der AR einen neuen Vorstand gewählt, herzlichen Glückwunsch an den Kollegen Bargstädt zu einer weiteren Amtsperiode als Vorsitzender.

Last but not least

Wir laden Sie herzlich zur gemeinsamen Konferenz „Zugang gestalten, Erfolg sichern: Internationale Masterstudierende in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik“ ein.

Die Veranstaltung wird gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ausgerichtet und findet am 05. Oktober 2026 in Kassel im Rahmen der „Campus-Initiative Internationale Fachkräfte“ des DAAD statt.

Im Fokus der Konferenz stehen die Auswahlprozesse und Kompetenzentwicklung internationaler Masterstudierender in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik.

Die Veranstaltung bringt Hochschulvertreterinnen und Hochschulvertreter aus Fakultäten, International Offices, sowie aus dem Bereich der Lehre und Studienunterstützung zusammen und bietet Raum für Vernetzung, den Austausch von Praxisbeispielen und Impulsen sowie die Diskussion von Handlungsansätzen.

📅 05.10.2026

📍Universität Kassel, Fachbereich Elektrotechnik/Informatik, Wilhelmshöher Allee 73, 34121 Kassel

Programm

Das vorläufige Programm für die Konferenz finden Sie hier<https://www.daad.de/de/infos-services-fuer-hochschulen/expertise-zu-themen-laendern-regionen/konferenz-studienerfolg/> zum Download.

Die Plätze sind begrenzt, eine frühzeitige Anmeldung empfiehlt sich.

Die Anmeldung ist bis zum 1. September 2026 möglich.

Anmeldung

Bitte klicken Sie auf die Anmeldeseite (https://registration.daad-events.de/) und dort auf den Button Anmeldung.

*   Wenn Sie bereits einen Account in der App „DAAD Events“ besitzen, wählen Sie sich mit Ihren Login-Daten ein

*   Wenn Sie noch keinen Account in „DAAD Events“ besitzen: Erstellen Sie sich bitte zunächst über den Reiter Registrierung einen Account mit Ihrer E-Mail-Adresse und einem persönlichen Passwort. Loggen Sie sich dann mit Ihren neuen Accountdaten über den Reiter Login ein. Anschließend erhalten Sie vollen Zugriff auf das Portal und können die Anmeldung abschließen.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme und den gemeinsamen Austausch!

4ING pflegt Kontakte und ist regelmäßiger Gesprächspartner

4ING steht im Austausch mit dem Akkreditierungsrat, Mitgliedern des KMK-Wissenschaftskonferenz, dem BMFTR, dem BMFSFJ und den Wissen- und Wirtschaftsministerien einzelner Länder u.a. zu den Themen MINT-Nachwuchs, WissZeitVG, Deutscher Qualifikationsrahmen, Novellen der Landeshoch-schulgesetze, Promotionsrecht an/für Fachhochschulen, Akkreditierung, Profilierung der Hochschul-landschaft und digitale Transformation.

4ING pflegt regelmäßig den Kontakt mit dem Stifterverband, der Bundesingenieurkammer, dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, der BDA, der acatech, dem VDMA, dem ZVEI, dem VDE, dem VDI, dem NMF, der GI, dem DAAD, dem Nationalen MINT Forum, dem Stifterverband und vielen anderen gerade im Bereich Nachwuchssicherung. Dies ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit.

Auf Europäischer Ebene arbeiten wir insbesondere bei der European Society for Engineering Education (SEFI) und der European Engineering Deans Conference (EEDC) mit und halten Kontakte zu ENAEE, EUA und den Engineers Europe mit der Engineers Europe Advisory Group. Die Kollegen H. Meyer und S. Krusche gehören dem SEFI-Board of Directors an. Herr Kollege Hesselbarth ist der 4ING-Vertreter beim EUA-Council for Doctoral Education (EUA-CDE).

Allen Fakultätentagen und den Mitwirkenden in den Leitungsgremien möchte ich ganz herzlich für ihre engagierte Mitarbeit danken. Nur das gemeinsame Engagement und das geschlossene Auftreten nach außen haben die bisherigen Erfolge von 4ING möglich gemacht.

Das ehrenamtliche Engagement unserer Mitstreitenden trägt gerade im hochschulpolitischen Bereich Früchte. 4ING hat sich als Vertreterin der universitären Ingenieurwissenschaften und Informatik seit vielen Jahren etabliert. Die Erkenntnis, dass die Zukunft der Ingenieurwissen­schaften und der Informatik von fundamentaler Bedeutung für die Zukunft unseres Landes ist, konnte bei den politischen Entscheidungsträgern nachhaltig verankert werden.

Die Zusammensetzung des Leitungsgremiums und das dort vorhandene Wissen, die effiziente Kommunikation, das Enga­gement und die Erfahrung sind eine hervorragende Basis für die weitere reibungslose Arbeit, bei der die gemeinsame Sorge um unsere Studierenden und Wissenschaft-ler:innen und um die Zukunft der Ingenieurwissenschaften und der Informatik als tragende Säulen unseres Landes immer im Vordergrund steht. Ich möchte Sie alle einladen, sich auch weiterhin, neu oder wieder engagiert in die Arbeit von 4ING einzubringen.

Mein Dank gilt insbesondere allen Mitgliedern von 4ING, Frau Kollegin Vogel-Heuser und den Kollegen Desel, Hans, Ihlemann, Rossmanith, Weber und Ziegler. Ein besonderer Dank gilt den Kollegen Hesselbarth, Krusche und Meyer, die sich für 4ING stark auf der europäischen Ebene einbringen, und dem Kollegen Heiß insbesondere für die Vertretung von 4ING im Nationalen MINT-Forum. Des Weiteren danke ich dem Kollegen Bargstädt für sein Engagement im Akkreditierungsrat, dem Kollegen Garbe für seine langjährige Mitwirkung im Präsidium des Allgemeinen Fakultätentages als Vertreter der Ingenieure, dem Kollegen Palis für seine Mitwirkung im wissenschaftlichen Beirat bei NFD4ING und den Kollegen Czylwik, Gerke und Lüttgen als Mitglieder des ASIIN-Vorstandes. Besonders herzlich möchte ich mich bei unserer Geschäftsführerin, Frau Heike Schmitt, bedanken.

Prof. Dr.-Ing. Sven Klinkel