05.02.2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
wieder einmal haben uns im zweiten Halbjahr 2025 neben unseren Dauerthemen auch viele neue Themen auf Trab gehalten. Dazu sind wir gemäß unserer Satzung im ständigen Austausch mit Stakeholdern der Wissenschaftsorganisationen, politischen Repräsentanten, Vertretern der Wissenschaftsverwaltungen, Verbänden und Fachgesellschaften im In- und Ausland. Dieser Austausch erfolgt überwiegend telefonisch, virtuell oder klassisch schriftlich und in Präsenz.
Die hochschulpolitische Arbeit konzentrierte sich im zweiten Halbjahr auf die Felder:
- Neue Personalstrukturen für das dt. Wissenschaftssystem gemäß dem WR
- Geopolitische Lage: Auswirkungen für den Wissenschaftsstandort Deutschland
- (ausländischer) MINT-Nachwuchs als ein Baustein der Fachkräftegewinnung
- Folgen der Einsparungen bei den Ländern für die universitäre Ingenieur/-Informatikerausbildung
- MINT-Initiativen
- Novellen der Landeshochschulgesetze
- Akkreditierung
- Zukunftsfähigkeit des 4ING-VerbundesDer folgende kurze Abriss der Aktivitäten soll einen Einblick in die Themen und in unsere Arbeit geben:
Geopolitische Weltlage und Situation in Deutschland
Die geopolitischen Erschütterungen nehmen leider zu und somit ist eine sehr bedrohliche Lage für Europa bzw. Deutschland entstanden, was sich an dem vierten Kriegsjahr in der Ukraine, der instabilen Waffenruhe in Gaza, der gewaltsamen Unterdrückung der Bevölkerung im Iran, der Situation in Venezuela und dem Konflikt um Grönland zeigt.
Was bedeutet das nun für den Alltag an den Universitäten, wie werden die Lehre und Forschung davon berührt?
Bereits im Bericht über das erste Halbjahr 2025 hatten wir darüber berichtet, dass der Wissenschaftsrat(WR) sich mit dem Thema „Wissenschaftsfreiheit“ befasst hat. Wir erinnern an die Pressemitteilung vom 12.05.25, dort forderte der WR, dass das Wissenschaftssystem auf neue Sicherheitsanforderungen reagieren muss. Näher führt der WR dies in seinem Positionspapier mit dem Titel „Wissenschaft und Sicherheit in Zeiten weltpolitischer Umbrüche“ vom Mai 2025 aus.
Auch die Hochschulrektorenkonferenz fordert ein „Bündnis Cybersicherheit für Hochschulen“, wie wir bereits berichtet haben.
Die Politik hat sich nun auch wieder des Themas angenommen: Die Wissenschaftsministerkonferenz (WMK) hat am 04.07.25 eine Erklärung zur Wissenschaftsfreiheit mit dem Titel „Wissenschaftsfreiheut sichern – Wissen, Demokratie und Fortschritt schützen“ abgegeben, der sich auch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) angeschlossen hat. Die Erklärung wird noch mit einer Pressemitteilung der WMK vom 06.07.25 untermauert: Die Freiheit der Wissenschaft ist unverhandelbar.
Die vierte Wissenschaftsministerkonferenz hat am 15.10.25 einen Beschluss zur Stärkung der Resilienz der Wissenschaftsorganisationen gefasst. Hintergrund sind laut der Pressemitteilung vom 15.10.25 zunehmende Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit und eine wachsende Wissenschaftsskepsis in Teilen der Gesellschaft. Ziel ist es, die Integrität und Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zu bewahren und das Vertrauen in evidenzbasierte Erkenntnisse dauerhaft zu sichern.
Die WMK knüpft mit diesem Beschluss an frühere Initiativen zur Forschungssicherheit und Resilienz an. Bereits im Juli 2025, s.o., hatte sie Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit im Wissenschaftssystem beschlossen, darunter die Einrichtung einer Nationalen Plattform für Forschungssicherheit. Der aktuelle Beschluss erweitert diesen Ansatz um die Vertrauensbildung in wissenschaftliche Erkenntnisprozesse und die Stärkung der Wissenschaftskommunikation.
Nicht nur Bedrohungen von außen waren Thema der vierten WMK. Laut einer weiteren Pressemitteilung vom 15.10.25 hat die 4. WMK in Berlin ein klares Zeichen gegen Antisemitismus an deutschen Hochschulen gesetzt. Im Mittelpunkt der Beratungen zum Thema Antisemitismus stand die Übergabe des Forderungskatalogs der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands (JSUD) sowie die Diskussion über aktuelle Entwicklungen. Die Ministerinnen und Minister betonten, dass Jüdinnen und Juden an deutschen Hochschulen diskriminierungsfrei, sicher und ohne Angst studieren und arbeiten können müssen.
Dem können wir uns nur anschließen.
MINT-Nachwuchs und MINT-Fachkräftemangel
4ING hat in seinem letzten Halbjahresbericht ausführlich über die Unzulänglichkeiten des deutschen Schulsystems berichtet.
Der aktuelle IQB-Bildungstrend gibt in seinem Ranking einen Überblick über die einzelnen Bundesländer betreffend die Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften bei Schüler:innen der 9. Klasse.
Laut news4teacher zeigt sich darin ein bundesweiter Abwärtstrend mit deutlichen Unterschieden: Die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Deutschland beherrschen Mathematik und Naturwissenschaften schlechter als noch vor sechs Jahren. Kein Bundesland konnte sein Niveau halten, manche sackten dramatisch ab. Hier sind die Ergebnisse – Land für Land. Für alle, die es genau wissen wollen, s.u.: https://www.iqb.hu-berlin.de/de/schule/sekundarstufe-i/bildungstrend/2024/ Der Wissenschaftsjournalist Dr. Jan Wiarda schreibt dazu in seinem Blog vom 16.10.25 die Misere, die keine Überraschung ist.
Das ifo Institut hat in einer Auftragsstudie festgestellt, dass bessere Bildung Deutschland Milliardenrenditen bringen könnte, siehe die Pressemitteilung vom 15.12.25: Um dies zu erreichen, müssten laut ifo Institut drei Ziele umgesetzt werden. Diese drei Ziele hatten Anfang des Jahres drei Bildungsminister:innen unterschiedlicher Parteien vorgeschlagen. Erstens müsste die Zahl der Schülerinnen und Schüler halbiert werden, die die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht erreichen. So ließe sich das Bildungsminimum absichern. Zweitens soll das Bildungsniveau gesteigert werden, da-mit 20% mehr Schülerinnen und Schüler die Regelstandards erreichen oder übertreffen. Drittens sollte die Leistungsspitze gefördert werden und 30% mehr Schülerinnen und Schüler die Optimalstandards erreichen. Die Studie liefert auch Länderbeispiele: Nordrhein-Westfalen würde rund 4,9 Billionen Euro an zusätzlichem BIP gewinnen, Baden-Württemberg etwa 3,0 Billionen und Bayern rund 2,8 Billionen
Euro – Werte, die weit über dem heutigen jährlichen BIP liegen und die volkswirtschaftliche Bedeu-tung von Bildungspolitik unterstreichen.
Der MINT-Herbstreport wird vom IW in Köln im Auftrag von Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Arbeitgeberverband Gesamtmetall und MINT Zukunft schaffen erstellt und wurde am 26.11.25 vorgestellt. Er beinhaltet einen Arbeitsmarktbericht, befasst sich in einer Sonderauswertung zur Zuwanderung über die Hochschulen und gibt im MINT-Meter Indikatoren für einen Überblick über den MINT-Nachwuchs an.
Im MINT-Herbstreport wird festgestellt, dass die Arbeitskräftelücke in den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) trotz wirtschaftlich schwieriger Lage auf hohem Niveau bleibt.
Die diesjährige Sonderauswertung zum MINT-Report zeigt, dass die Zuwanderung von MINT-Fach-kräften einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leistet. „Im Jahr 2022 lebten 153.000 MINT-Zuwanderer, die über die Hochschulen eingewandert sind, in Deutschland. Diese trugen in dem Jahr 14,6 Milliarden Euro zur Wertschöpfung bei. Auch viele Start-Up-Gründerinnen und Gründer sind im Ausland geboren, jede oder jeder zweite davon hat in Deutschland studiert“, sagt Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter der Studie und des Themenclusters Bildung, Innovation und Migration am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).
Auch DAAD und DHZW veröffentlichten am 26.11.25 eine Pressemitteilung zu internationalen Studierenden in Deutschland, deren Zahl erneut angestiegen ist und deren Abbruchquoten niedriger sind als bislang angenommen, s.u.: https://www.daad.de/de/der-daad/kommunikation-publikationen/presse/pressemitteilungen/2025/erneut-hohe-zahl-internationaler-studierender-in-deutschland/
Weitere Infos finden Sie in Wissenschaft Welt offen, Daten und Fakten zur Internationalität von Stu-dium und Forschung in Deutschland und weltweit, s.u.: https://www.wissenschaft-weltoffen.de/con-tent/uploads/2025/11/7004002xw-1.pdf
4ING nimmt sich dieser Themen über seine Netzwerke an, sei es in den vier Mitgliedsfakultätentage oder über seine Mitgliedschaften, z.B. im Nationalen MINT FORUM, als auch über Kooperationen mit externen Partnern wie Fachgesellschaften, Verbänden, Stiftungen und Wissenschaftsorganisationen.
All diese Bemühungen können nur dann Früchte tragen, wenn in Deutschland kein Klima der Angst herrscht und es nicht Ausgrenzungen oder gar tätlichen Angriffe gibt.
Neue Personalstrukturen im Wissenschaftssystem
Im Bericht über das erste Halbjahr hatten wir bereits über die Thematik Dauerstellen neben der Professur berichtet.
Der Wissenschaftsrat (WR) hat im Juli ein Positionspapier in Kurz- und Langfassung veröffentlicht,
in welchem er feststellt, die Wissenschaft, braucht moderne Personalstrukturen und mehr Dauerstellen, und Anstoß für einen Kulturwandel gibt, so die Pressemitteilung vom 14.07.2025.
Er hat ein Personalstrukturmodell erarbeitet, dass vier Stufen sowohl im Bereich der Wissenschaft als auch im wissenschaftsnahen Bereich umfasst. Im Wissenschaftsbereich, z.B. ist S4 der Professur als Dauerstelle und S1 als befristete Stellen für Promovenden vorbehalten. S 2 und 3 können sowohl befristete als auch unbefristete Stellen sein. Die Anforderungen an eine S3 -Stelle im Wissenschaftsbereich sind einer Professur sehr ähnlich. Zur Umsetzung schlägt der WR eine Departmentstruktur vor, um das Poolen von Stellen zu erleichtern. In dem Positionspapier wird aber nicht erwähnt, an welchem Land im Hinblick auf die Departmentstrukturen sich der WR orientiert. Die neue Personalstruktur soll sowohl für Hochschulen als auch für außeruniversitäre Forschungsein-richtungen gelten. Die Umstellung soll finanzneutral erfolgen, diese Annahme können wir nicht teilen.
Im Hinblick auf das Positionspapier des WR zu Personalstrukturen im dt. Wissenschaftssystem hat 4ING eine erste Stellungnahme im August verfasst und an alle 16 Amtschefs der Wissenschaftsministerien versandt. In Absprache mit 4ING hat sich unser Mitglied der Fakultätentag Informatik im September zu dem Positionspapier geäußert, s.u.: https://cloud.ft-informatik.de/s/b8HWksnf2yASEr6
Vorbereitend auf das Gespräch mit dem WR Anfang Dezember 2025 hat sich 4ING mit den zuständigen Vertretern im Wissenschaftsministerium Brandenburg zur Frage der Einrichtung von Dauerstellen unterhalb der Professur als Landestellen und der Vorgabe einer Quote ausgetauscht.
Anfang Dezember hat 4ING ein längeres Gespräch mit der Leiterin der Arbeitsgruppe beim WR Frau Prof. Dr. Spinat und dem stv. Leiter der Abteilung „Tertiäre Bildung“ des WR Herrn Dr. Pflaumbaum geführt. Dort haben wir hervorgehoben, dass wir die finanzneutrale Umstellung als nicht realistisch erachten. In den 4ING-Fächer war es bislang eher ein Problem geeignete Personen an der Universität halten zu können. Wir stehen in einem strengen Wettbewerb um die besten Köpfe mit der Industrie. Auch in einem außerakademischen Arbeitsmarkt kann geforscht werden, daher berufen wir eine signifikante Anzahl unserer Professor:innen aus der Industrie zurück an die Universität, das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Quoten für Dauerstellen neben der Professur sehen wir als kritisch an, wie es sie z.B.in Brandenburg und Hessen gibt. Das war auch die Meinung der beiden Vertreter des WR. Wir wurden explizit aufgefordert der Politik mitzuteilen, dass wir am besten im Verbund mit anderen Wissenschaftsorganisationen die Vorgabe von Quoten ablehnen. Nach dem Austausch blieb allerdings offen, welches Land die Arbeitsgruppe des WR als Beispiel für die Departmentstruktur vor Augen hatte. Die Vorstellungen des Vorsitzenden des WR zu den neuen Personalstrukturen können Sie nachlesen, s.u.: WR-Vorsitzender Wick zu den neuen Personalstrukturen in F & L am 30.4.24
Bezüglich des Positionspapiers stehen wir im Austausch mit dem AFT und dem DHV.
Novelle der Landeshochschulgesetzes NRW
Wie Sie bereits aus dem früheren Halbjahresbericht wissen, will NRW sein Hochschulgesetz novellieren. Nur zur Erinnerung: Sie finden den Referentenentwurf unter: https://www.mkw.nrw/system/files/media/document/file/refe_hochschulstaerkungsgesetz.pdf
4ING hat im Dezember 2024 eine Stellungnahme zu diesem Referentenentwurf abgeben. Der Entwurf ist mit ca. 250 Seiten bzgl. des Hochschulgesetzes nicht nur äußerst komplex, sondern umfasst einen überaus hohen Detailierungsgrad. An etlichen Stellen weist er auch Inkonsistenzen auf. Darüber hinaus unterliegt der Entwurf verschiedentlich (verfassungs-)rechtlichen Bedenken, wie z.B. bei der Trennung von Betreuung und Begutachtung bei Promotionsvorhaben.
Im Kapitel 10 mit Regelungen zur Redlichkeit und Sicherheit in der Hochschule beschreitet das Bundesland NRW völliges Neuland. Den Aufbau von doppelten Strukturen und Zuständigkeiten, z.B. im Hochschulrecht und im Strafrecht, lehnen wir entschieden ab. Gerade bei der Begehung von Straftaten sollte der Vorrang des Strafanspruchs des Bundes gewahrt bleiben und die Ahndung nicht auf das Hochschulrecht einzelner Länder verlagert werden.
Erst am 18.12.25 ist der seit Ostern erwartete Gesetzesentwurf zur ersten Lesung in den Landtag eingebracht worden. Inhaltlich hat er sich aus unserer Sicht nicht wirklich verbessert, sondern das Gesetz wurde noch erheblich erweitert, mittlerweile umfasst es über alle Regelungsgebiete 514 Seiten vorher waren es bereits 337 Seiten. Den Gesetzesentwurf finden Sie unter: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-16798.pdf
Hochschulfinanzierung
Mit Sorge sehen wir, dass in vielen Hochschulen die Mittel knapp werden. Stellen werden nicht be-setzt und Rücklagen für Investitionen aufgelöst, um kurzfristig Finanzlöcher zu stopfen. Es ist nur eine Frage von Zeit, bis auch Professuren nicht mehr besetzt werden.
Exemplarisch möchten wir auf die Länder Berlin, Hessen und NRW eingehen.
In Berlin wurden vor Ablauf die bestehenden Hochschulverträge gekündigt. Begründet wurde diese mit dem enormen Haushaltsdefizit. Daher hatten die Hochschulen eine Klageschrift gegen das Land Berlin auf Einhaltung der bestehenden Hochschulverträge wegen der angekündigten Kürzungen vor-bereitet.
Gemäß der Meldung der LRK der Berliner Hochschulen vom 15.07.25 konnten aber wesentliche Fort-schritte bei den Neuverhandlungen erzielt werde, s.u.: https://www.lkrp-berlin.de/aktuelles/250715-hochschulvertraege/index.html
Laut der Meldung der LRK der Berliner Hochschulen vom 22.08.25 empfehlen die Präsidien der Berliner Hochschulen ihren akademischen Gremien, dem Änderungsvertrag über die geltenden Hochschulverträge mit dem Berliner Senat zuzustimmen – was auch zähneknirschend geschehen ist. Kon-kret bedeutet dies: Nach der Kürzung um 142 Mio. Euro im Jahr 2025 sieht der Änderungsvertrag für die Jahre 2026 bis 2028 wieder Steigerungen vor, die jedoch weit hinter dem im ursprünglichen Ver-trag verbindlich vereinbarten jährlichen Mittelaufwuchs von fünf Prozent zurückbleiben. Einzelheiten entnehmen Sie der Meldung unter: https://www.lkrp-berlin.de/aktuelles/250822-hochschulvertraege/index.html
In Hessen stellten bereits Anfang 2025 die Hochschulen dem Land zur Konsolidierung der Staatsfinanzen 474,5 Millionen Euro aus Rücklagen zur Verfügung, die für Baumaßnahmen ab dem Jahre 2027 bestimmt waren, siehe die Meldung aus dem Finanzministerium vom 13.01.25: https://finan-zen.hessen.de/presse/haushaltsentlastung-durch-bauruecklagen
Dennoch muss in Hessen weiter kräftig gespart werden, was zur heftigen Kritik der Studierenden und Mitarbeitenden führte, s. in Forschung & Lehre vom 11.07.25: https://www.forschung-und-lehre.de/po-litik/tausende-kritisieren-sparzwang-an-unis-in-hessen-und-berlin-7188
In der Meldung heißt es: Die hessischen Hochschulpräsidien hatten kürzlich vor einer strukturellen Unterfinanzierung der Hochschulen in Hessen gewarnt. Die Planungen der Landesregierung würden bei ihnen zu einem Defizit von rund einer Milliarde Euro in den nächsten sechs Jahren führen. Diese Hochrechnung wird von der Landesregierung nach eigenem Bekunden nicht geteilt. Die Universitäten warnen zudem vor einem dauerhaften Abbau von zehn Prozent des Personals in Wissenschaft, Kunst und Verwaltung. Dennoch haben die hessischen Hochschulen den Hochschulpakt 2026-2031 unter-zeichnet, um Planungssicherheit zu erlangen, s. u.: https://wissenschaft.hessen.de/studieren/hessi-scher-hochschulpakt
Wir müssen als Folge davon feststellen, dass Professuren gerade in Grundlagenfächern in Hessen nicht mehr nachbesetzt werden, so dass wir die Gefahr sehen, dass die 4ING-Fächern nicht mehr in Breite und Tiefe gelehrt und vertreten werden.
Auch in NRW stehen die Zeitzeichen auf Sparen. Das hat heftige Bedenken und Proteste hervorgerufen. So schlimm wie angekündigt kam es Gott sei Dank laut der Pressemitteilung vom 19.12.25 nicht, s.u.: https://www.mkw.nrw/hochschulen-und-landesregierung-unterzeichnen-verlaengerung-der-hoch-schulvereinbarung
Darin heißt es:
Noch im Herbst 2024 war ein Konsolidierungsbedarf von 255 Millionen Euro und zusätzlich die Rück-führung von Rücklagen prognostiziert worden. Dank der intensiven, sehr offenen Gespräche ist es dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft gelungen, den Konsolidierungsbeitrag bei der Grundfinanzierung auf 120 Millionen Euro festzulegen. Das sind rund 2,3 Prozent der über 5 Milliarden Euro Hochschulgrundfinanzierung im Haushalt 2026. Zur jetzt vereinbarten Verlängerung der Hochschul-vereinbarung gehört auch, dass die Hochschulen ihre Rücklagen behalten dürfen. Nach einer deutli-chen Kritik des Rechnungshofes angesichts von freien Rücklagen, die auf inzwischen insgesamt 2,5 Milliarden Euro angewachsen sind, verzichtet das Land auf eine Rückzahlung mit der klaren Erwar-tungshaltung, dass die Hochschulen ihre Rücklagen so einsetzen, dass die jährlichen 120 Millionen Euro Einsparung abgepuffert werden. Die Hochschulen selbst haben die dringende Bitte geäußert, ihre freien Rücklagen zu behalten, um die Kürzungen in der Grundfinanzierung abzufedern. Die Son-derrücklagen in Höhe von insgesamt rund einer Milliarde Euro, die für bestimmte Zwecke (etwa Bau-vorhaben oder Berufungen) gebunden sind, bleiben unberührt.
Wir raten dazu sich in den Fakultätentagen konkret dazu auszutauschen und auch 4ING informiert zu halten, damit es nicht zu strukturellen Verwerfungen durch Einsparmaßnahmen kommt, die Lehre und Forschung behindern oder gar im schlimmsten Fall unmöglich machen.
EUA-CDE
Wir haben mit dem Kollegen Hesselbarth einen engagierten Kollegen, der 4ING im EUA- Council of Doctoral Education (CDE) vertritt. Auch in diesem Gremium ist Deutschland mit nur wenigen Personen vertreten und unsere Fachrichtungen nur über 4ING. Auch hier gilt es immer noch wachsam zu sein, dass nicht über die Hintertür die in Deutschland bewährte und wichtige Assistenzpromotion durch europäische Sonderformen beschädigt wird. Die EUA und somit auch das EUA-CDE wird von der Kommission gerne zu Rate gezogen.
Herr Kollege Hesselbarth arbeitet aktiv in der Thematic Peer Group (TPG) “Doctoral schools: building bridges beyond academia” mit, die voraussichtlich im Frühjahr diesen Jahres ihren Abschlussbericht erstellt und veröffentlicht haben wird.
SEFI
Die SEFI ist das größte europäische Netzwerk, das sich mit der Ingenieurausbildung befasst. Noch immer sind wir mit zwei Personen im Board of Directors aktiv. Dies ist vor dem Hintergrund, dass neben 4ING nur noch 3 deutsche Universitäten Mitglied bei SEFI sind, eine sehr respektable Leistung. Die diesjährige Jahrestagung mit Mitgliederversammlung fand in Tampere/Finnland vom 15.-18. September statt. Hier finden Sie die Zusammenfassung der diesjährigen Jahrestagung der SEFI,
Wer sich über die eingereichten Papers informieren will, sollte in die Proceedings schauen.
Die Proceedings der SEFI Konferenz 2025 sind online unter: https://zenodo.org/records/18002499 Oder unter: https://zenodo.org/communities/sefi2025/records?q=&l=list&p=1&s=10&sort=newest
Infos
DAAD startet neues Programm „Academic Horizons“ zur Gewinnung internationaler Talente, s.u.: https://www.daad.de/de/der-daad/kommunikation-publikationen/presse/pressemitteilungen/2025/ausschreibung-programm-academic-horizons-zur-gewinnung-internationaler-talente/
KMK-Vorausberechnung der Studierendenzahlen von 2024-2035
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat ihre Vorausberechnung der Studienanfänger:innen- und Stu-dierendenzahlen für den Zeitraum 2024 bis 2035 vorgelegt. Die Prognose zeigt, dass die Zahl der Stu-dienanfängerinnen und Studienanfänger zunächst sinken, aber ab 2027 wieder steigen wird. Die Be-rechnung basiert auf Daten der amtlichen Hochschulstatistik sowie der KMK-Vorausberechnung der Schulabsolvierendenzahlen und wurde im Rahmen der Wissenschaftsministerkonferenz abge-stimmt. Wegen der Einzelheiten wird auf verwiesen:
https://www.bildungsserver.de/bildungswesen-allgemein/hochschulstatistik-deutschland-305-de.html
CHECK Hochschulzugang 2025, s.u.: https://www.che.de/download/check-hochschulzugang-2025/?wpdmdl=34450&refresh=696e4203418041768833539
„Der Übergang von der Schule zur Hochschule ist oft von Entscheidungsunsicherheiten geprägt. Deutsche Hochschulen nehmen hier ihre Verantwortung wahr, wie aktuelle Daten des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigen. Die Mehrheit der Fachbereiche bieten umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen oder Monitoring-Maßnahmen an, um auf Probleme im Studium frühzeitig zu reagieren.
Die Angaben zu Self-Assessments und Beratungsangeboten der Studieneingangsphase beruhen auf Befragungen im Rahmen des CHE Hochschulrankings zwischen 2023 und 2025 und umfassen Daten von 1.811 Fachbereichen an 228 deutschen Hochschulen.“
Allianz für MINT-Fachkräfte
Der Stifterverband hat eine Allianz für MINT-Fachkräfte ins Leben gerufen. Der frühere 4ING-Vorsitzende Herr Prof. Wünsch sitzt dort im Beirat und unsere Geschäftsführerin ist in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv. 4ING hat sich mit einem Beitrag bei den 4 Ansätzen für ein attraktives MINT-Studium eingebracht.
Des Weiteren verweisen wir auf die Landkarte für Projekte:
Promovenden und Postdocs
Bundesbericht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase (BuWiK) 2025, s.u.: https://buwik.de/
Stellungnahme der Bundesregierung (BReg) zum BuWiK am 24.09.25, s.u.: https://buwik.de/ F & L zur Stellungnahme der BReg zum BuWiK am 24.09.25 online:
Das Bundesverfassungsgericht hat am 25.06.25 entschieden, dass es keine Entfristung für alle Postdocs durch den jeweiligen Landesgesetzgeber geben kann. Die HU Berlin hatte eine Verfassungsbeschwerde gegen das Berliner Hochschulgesetz erhoben, das vorgesehen hatte, dass alle Postdocs verpflichtend zu entfristen sind, wenn ihre Qualifizierung erfolgt ist.
Das Urteil hat Auswirkungen für alle Bundesländer und auf die bevorstehende Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZVG).
Die Pressemitteilung vom 10. 07. 25 finden Sie unter:
Verständlicher formuliert hat es am 10.07.25 Frau Schmoll von der FAZ „Keine Pflicht zur Entfristung von Post-Doc-Stellen“ , s.u.:
GWK-Gleichstellungsmonitor
Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat den aktuellen „Gleichstellungsmonitor Wissenschaft und Forschung“ veröffentlicht, siehe PM vom 16.10.25. Laut der PM handelt es sich bereits um die 29. Datenfortschreibung (2023/2024) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen, die jährlich die Situation von Frauen im deutschen Wissenschaftssystem beleuchtet und sowohl Fortschritte als auch Baustellen darstellt.
Der Gleichstellungsmonitor Wissenschaft und Forschung liegt nun mit den Daten für den Zeitraum 2023/2024 vor und ist online als Heft 94 der „Materialien der GWK“ abrufbar. Die Zusammenfassung ist ebenfalls dort abrufbar.
Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)
Der WR hat die NFDI-Struktur evaluiert, siehe Drs 2639-25_K. Er kommt dabei zu folgendem Ergeb-nis:
Nach der Aufbauphase sieht der Wissenschaftsrat nun eine Konsolidierung als notwendig an, um die Nachhaltigkeit der Infrastruktur zu sichern und Synergien zu heben. Um den Verein zu befähigen, Dienste nachhaltig bereitzustellen und den Übergang in die dynamische Betriebsphase zu meistern, ist eine intensivere Koordination und Steuerung durch den NFDI e. V. und eine dementsprechende Veränderung der Finanzströme notwendig. Mit dem Ziel, eine Zusammenführung und Integration der verschiedenen Aktivitäten zu ermöglichen und die Arbeit der Konsortien in einen verlässlichen Rah-men zu überführen, macht der Wissenschaftsrat Vorschläge für eine künftige Governance-Struktur
in deren Zentrum der NFDI e. V. als Mittelempfänger steht. Im Einzelnen wird auf die o.g. Drucksache verwiesen.
KI
Hochschulforum Digitalisierung (HFD)
KI Monitor 2025“ des Hochschulforums Digitalisierung (HFD), ein gemeinsames Projekt des Stifterverbandes und des CHE ist veröffentlicht. Daraus ergibt sich, künstliche Intelligenz längst den Lehr- und Lernalltag an Hochschulen prägt. Die Hochschulen reagieren darauf mit neuen Regeln, Konzepten und Strategien: Fast alle befassen sich mit Prüfungen, drei Viertel arbeiten an sicheren KI-Zugängen und mehr als die Hälfte entwickelt eigene Strategien. Details unter: https://www.che.de/download/ki-monitor-2025-hochschulen-gestalten-den-ki-alltag/?wpdmdl=34382&refresh=696e3d03ec7861768832259
Leopoldina zu KI, s.u.: https://www.leopoldina.org/themen/kuenstliche-intelligenz/ Diskussionspapiere, z.B.: Generative KI – jenseits von Euphorie und einfachen Lösungen
Future Skills 2030
Der Stifterverband legt mit dem Future-Skills-Framework 2030 ein neues Kompetenzmodell vor: 30 zentrale Zukunftskompetenzen – von AI Literacy bis Nachhaltigkeitskompetenz – sollen Hochschulen helfen, ihr Bildungsangebot strategisch auf die kommenden fünf Jahre auszurichten, s.u.:
https://www.stifterverband.org/sites/default/files/2025-12/future_skills_2030.pdf
Akkreditierungsrat (AR)
Der AR hat eine Handreichung zur Akkreditierung Alternativer Verfahren am 4.12.25 beschlossen,
4ING pflegt Kontakte und ist regelmäßiger Gesprächspartner
4ING steht im Austausch mit dem Akkreditierungsrat, Mitgliedern des KMK-Wissenschaftskonferenz, dem BMFTR, dem BMFSFJ und den Wissen- und Wirtschaftsministerien einzelner Länder u.a. zu den Themen MINT-Nachwuchs, WissZeitVG, Deutscher Qualifikationsrahmen, Novellen der Landeshochschulgesetze, Promotionsrecht an/für Fachhochschulen, Akkreditierung, Profilierung der Hochschullandschaft und digitaler Transformation.
4ING pflegt regelmäßig den Kontakt mit dem Stifterverband, der Bundesingenieurkammer, dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, der BDA, der acatech, dem VDMA, dem ZVEI, dem VDE, dem VDI, dem NMF, der GI, dem DAAD und vielen anderen gerade im Bereich Nachwuchssicherung. Dies ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit.
Auf Europäischer Ebene arbeiten wir insbesondere bei der European Society for Engineering Education (SEFI) und der European Engineering Deans Conference (EEDC) mit und halten Kontakte zu ENAEE, EUA und den Engineers Europe mit der Engineers Europe Advisory Group. Die Kollegen H. Meyer und S. Krusche gehören dem SEFI-Board of Directors an. Herr Kollege Hesselbarth ist der 4ING-Vertreter beim EUA-Council for Doctoral Education (EUA-CDE).
Allen Fakultätentagen und den Mitwirkenden in den Leitungsgremien möchte ich ganz herzlich für ihre engagierte Mitarbeit danken. Nur das gemeinsame Engagement und das geschlossene Auftreten nach außen haben die bisherigen Erfolge von 4ING möglich gemacht.
Das ehrenamtliche Engagement unserer Mitstreitenden trägt gerade im hochschulpolitischen Bereich Früchte. 4ING hat sich als Vertreterin der universitären Ingenieurwissenschaften und Informatik seit vielen Jahren etabliert. Die Erkenntnis, dass die Zukunft der Ingenieurwissenschaften und der Informatik von fundamentaler Bedeutung für die Zukunft unseres Landes ist, konnte bei den politischen Entscheidungsträgern nachhaltig verankert werden.
Die Zusammensetzung des Leitungsgremiums und das dort vorhandene Wissen, die effiziente Kommunikation, das Engagement und die Erfahrung sind eine hervorragende Basis für die weitere reibungslose Arbeit, bei der die gemeinsame Sorge um unsere Studierenden und Wissenschaftler:innen und um die Zukunft der Ingenieurwissenschaften und der Informatik als tragende Säulen unseres Landes immer im Vordergrund steht. Ich möchte Sie alle einladen, sich auch weiterhin, neu oder wieder engagiert in die Arbeit von 4ING einzubringen.
Mein Dank gilt insbesondere allen Mitgliedern von 4ING, Frau Kollegin Vogel-Heuser und den Kollegen Desel, Hans, Ihlemann, Lüttgen (bis 30.11.25), Weber und Ziegler. Ein besonderer Dank gilt den Kollegen Hesselbarth, Krusche und Meyer, die sich für 4ING stark auf der europäischen Ebene einbringen, und dem Kollegen Heiß insbesondere für die Vertretung von 4ING im Nationalen MINT-Forum. Des Weiteren danke ich dem Kollegen Bargstädt für sein Engagement im Akkreditierungsrat, dem Kollegen Garbe für seine langjährige Mitwirkung im Präsidium des Allgemeinen Fakultätentages als Vertreter der Ingenieure, dem Kollegen Palis für seine Mitwirkung im wissenschaftlichen Beirat bei NFD4ING und den Kollegen Czylwik, Gerke und Lüttgen als Mitglieder des ASIIN-Vorstandes. Besonders herzlich möchte ich mich bei unserer Geschäftsführerin, Frau Heike Schmitt, bedanken.
Prof. Dr.-Ing. Sven Klinkel
